Trauerfeier für Henning Zierock

Die Trauerfeier findet statt am 23. Mai 2022, 12.00 Uhr, Stiftskirche Tübingen mit anschliessender Beisetzung um 14.00 Uhr, Stadtfriedhof Tübingen.

Kultur des Friedens trauert

(Below in English) Die Gesellschaft Kultur des Friedens trauert um ihren Gründer Henning Zierock, der in der Nacht zum 11.Mai in Homburg nach einer schwierigen Herzoperation gestorben ist. Er wurde 70 Jahre alt. Henning Zierock, selbst Musiker und Lehrer, leitete viele Jahre den Theodorakis-Chor Tübingen/Stuttgart und gründete zusammen mit internationalen Persönlichkeiten, wie Mikis Theodorakis, Christa Wolf, Inge und Walter Jens, Karola Bloch und vielen anderen am 8.Mai 1988 in Tübingen die Gesellschaft Kultur des Friedens, die sowohl vor Ort als auch international in vielen Krisengebieten politisch aktiv war. Eng verbunden war er mit dem griechischen Komponisten und Widerstandskämpfer Mikis Theodorakis, an dessen Beerdigung er letztes Jahr auf Kreta mit Musik mitwirkte. Seit vielen Jahren arbeitete er auch friedenspolitisch zusammen mit dem Musiker Konstantin Wecker.
Bis kurz vor der Operation war er gegen den Krieg in der Ukraine und die atomare Eskalationsgefahr mit zahlreichen Kundgebungen auf der Strasse, seine Intention war: „den Frieden gewinnen und nicht den Krieg“. Eine Konzertveranstaltung der Gesellschaft Kultur des Friedens am 9.Mai 2022 in der Stiftskirche Tübingen, mit der Aufführung der Mauthausen-Kantate durch Tübinger SchülerInnen, musste ohne ihn stattfinden. Weitere Projekte, Konzert und Kundgebung vor dem US-AFRICOM im Rahmen des Katholikentages am 28.Mai, 16.00 Uhr in Stuttgart, und vorallem die Aufführung dieser Kantate mit deutschen und griechischen SchülerInnen im September gemeinsam auf Kreta hatte er fest geplant. Wir wollen diese Arbeit im Sinne von Henning Zierock fortsetzen. Die Trauerfeier findet statt am 23.5.2022, 12.00 Uhr, Stiftskirche Tübingen, im Anschluss 14.00 Uhr Beisetzung auf dem Stadtfriedhof Tübingen.

English:
The Society Culture of Peace mourns the loss of its founder Henning Zierock, who died in Homburg on the night of May 11 after a difficult heart operation. He was 70 years old. Henning Zierock, himself a musician and teacher, conducted the Theodorakis Choir Tübingen/Stuttgart for many years and founded the Theodorakis Choir in Tübingen on May 8, 1988 together with international personalities such as Mikis Theodorakis, Christa Wolf, Inge and Walter Jens, Karola Bloch and many others Society Culture of Peace, which was politically active both locally and internationally in many crisis areas. He was close friend of the Greek composer and resistance fighter Mikis Theodorakis, at whose funeral he played music in Crete last year. For many years he has also been working on peace policy together with the musician Konstantin Wecker. Until shortly before the operation, he was against the war in Ukraine and the danger of nuclear escalation with numerous rallies on the street. His intention was: „To win the peace and not the war“. A concert event of the Gesellschaft Kultur des Friedens on May 9, 2022 in the Collegiate Church in Tübingen, with the performance of the Mauthausen cantata by Tübingen schoolchildren, had to take place without him. He had firmly planned further projects, a concert and rally in front of the US-AFRICOM as part of the Catholic Day on May 28, 4:00 p.m. in Stuttgart, and above all the performance of this Mauthausen cantata with German and Greek schoolchildren in September in Chania, Crete. We want to continue this work in the spirit of Henning Zierock. The funeral service will take place on May 23, 2022, at 12:00 p.m. in the Stiftskirche Tübingen, followed by a 2:00 p.m. burial in the Stadtfriedhof Tübingen

Konstantin Wecker kommt nicht am 9.5.!

!!Achtung: Konzertveranstaltung 9.Mai 2022!!
Aus gesundheitlichen Gründen hat der Musiker Konstantin Wecker alle Konzerte bis Mitte Juni abgesagt. Das betrifft ebenso die Konzertveranstaltung am Montag, 9.Mai 2022, 20.00 Uhr, anlässlich des Geburtstags von Sophie Scholl, in der Stiftskirche Tübingen.

Die Veranstaltung unter dem Motto “ Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“ findet trotzdem statt. Neben der Aufführung der Mauthausen-Kantate durch 80 Schüler und Schülerinnen des Uhlandgymnasiums und der Gemeinschaftsschule West wird Jo Barnikel, langjähriger Pianist von Konstantin Wecker, seine Lieder interpretieren und das Theodorakis-Ensemble spielt Lieder von Mikis Theodorakis.
Aus aktuellem Anlaß, dem Krieg in der Ukraine wird der Buchautor und Journalist Franz Alt zum Thema „Den Frieden gewinnen nicht den Krieg“ sprechen.
Eintritt frei, um Spenden für Kriegsflüchtlinge wird gebeten.

Die Mauthausen-Kantate soll im September mit deutschen und griechischen SchülerInnen auf Kreta aufgeführt werden, in Erinnerung an die zahlreichen NS-Massaker auf der Insel und in ganz Griechenland.

8./9.Mai 2022 Tübingen

Gedenkveranstaltung für die NS-Opfer, 8.Mai, 14.00 Uhr, Gräberfeld X, Tübingen
Gedenkveranstaltung Sophie Scholl, 9.Mai:
16.00 Uhr, Geschwister-Scholl-Platz vor der Neuen Aula der Universität Tübingen
20.00 Uhr, Konzertveranstaltung u.a. mit Konstantin Wecker, Stiftskirche Tübingen

„Frieden schaffen mit mehr Waffen?“

Der SWR über die Friedensbewegung und Waffenlieferungen in die Ukraine sowie die Hochrüstungspolitik, mit Beiträgen von Henning Zierock und Konstantin Wecker:

https://www.ardmediathek.de/video/zur-sache-baden-wuerttemberg/frieden-schaffen-mit-mehr-waffen/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE2NDI0NTA

Antikriegskundgebungen Tübingen und Stuttgart

Antikriegskundgebung „Stoppt den Krieg – keine Ausweitung des Krieges“ am Freitag 1.April, 17.00h, Tübingen, Holzmarkt, mit Martin Gross, Landesbezirksleiter Verdi Ba-Wü und VertreterInnen von Initiativen. Zu der Kundgebung rufen auf: Friedensplenum Tübingen, Gesellschaft
Kultur des Friedens, DGB-Kreisverband Tübingen, IMI, VVN-BdA, die auch
mit einem Redebeitrag zu den verschiedenen Aspekten des Aufrufs Stellung
nehmen.

Samstag, 2. April 2022, 16.00h, Stuttgart, Stauffenbergplatz/Mahnmal Stuttgart, u.a. mit Dieter Reicherter, ehem. Vorsitzender Richter am Landgericht und mit Beiträgen von verschiedenen Organisationen.
(Bei schlechtem Wetter, Diskussionsrunde im nahegelegenen Welthaus Stuttgart, Charlottenplatz 17, Globales Klassenzimmer)

Themen sind: u.a. welchen Beitrag leisten wir zum Kriegsstopp ? 100 Milliarden für Militärische Aufrüstung ins Grundgesetz ? Die Rolle der Medien, besonders die Verantwortung der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten in der Kriegsberichterstattung.

Kundgebungen gegen den Krieg in der Ukraine gehen weiter

Kundgebungen: Freitag, 25.3.22, 17.00h, Tübingen, Holzmarkt und Samstag, 26.3.22, 16.00h, Stuttgart, Stauffenbergplatz/Mahnmal
Auf Grund des sich immer noch zuspitzenden Krieges in der Ukraine ruft die Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF) wieder am Wochenende zu Kundgebungen in Tübingen und Stuttgart auf.
Bei den Kundgebungen wird auch die Rolle der Medien, besonders der Öffentlich- Rechtlichen (ARD,ZDF) zur Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine und die Diskussionsrunden in den Talkshows thematisiert. Teil des Problems oder der Lösung?

Der Ruf nach einer Flugverbotszone wird auch im Bundestag immer lauter und könnte zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und den NATO-Staaten führen, mit unabsehbaren Folgen eines Flächenbrandes.
Der Bundestag debattiert heute über 100 Milliarden für Aufrüstung. Wir forden 100 Milliarden für den Frieden und Aufnahme von allen Kriegsflüchtlingen.

Kundgebungen in Tübingen und Stuttgart

„Stoppt den Krieg in der Ukraine – Keine Ausweitung des Krieges!“

Freitag, 18.3.2022, 17.00 Uhr, Tübingen, Holzmarkt und Samstag, 19.3.2022, ACHTUNG: 14.00h!! (statt sonst 16.00h) Uhr, Stuttgart, Stauffenbergplatz/Mahnmal
Die Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF) fordert 100 Milliarden für den Frieden in einem Manifest an die Bundesregierung. Auf Grund des sich immer noch zuspitzenden Krieg in der Ukraine ruft die Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF) zu weiteren Kundgebungen in Tübingen und Stuttgart auf.
Der Bundesregierung wird das u.a. Manifest des Friedens mit Unterschriften auch von der Tübinger Kundgebung zugestellt.
Der Ruf nach einer Flugvebotszone wird auch im Bundestag immer lauter und könnte zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und den NATO-Staaten führen und mit unabsehbaren Folgen eines Flächenbrandes. Einen atomarer Schlagabtausch gilt es aber von Anfang an zu verhindern. Die unter dem Krieg leidenden Menschen in der Ukraine würden noch mehr leiden und der Preis des Krieges würde immer höher getrieben. Viele Freiwillige melden sich jetzt zum Kriegseinsatz in der Ukraine. Deeskalation und Vermittlung ist jetzt das Gebot der Stunde, weiteres Blutvergießen muss verhindert werden.
Wir fordern einen Waffenstillstand und Verhandlungen, die allen Menschen Sicherheit und Frieden in der Region bringt.
Und die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen unabhängig ihrer Hautfarbe und Herkunft! Ein Aussortieren an den Grenzen durch die Bundespolizei ist menschenunwürdig!
Bei der Kundgebung wird auch die Rolle der Kirchen und Religionen thematisiert, nachdem die katholische Bischofskonferenz sich für Waffenlieferungen ausgesprochen hat – im Gegensatz zu Papst Franziskus, der fordert: „Legt eure Waffen nieder“!
Ein Kontroverse darüber ist Not-Wendig. Deshalb sind auch Vertreter/Innen der Kirchen und Religionen, wie auch das das Institut Weltethos, zu Stellungnahmen eingeladen.

Manifest des Friedens – für eine Friedensoffensive!

Wer dieses Manifest unterstützen möchte, kann sich an uns wenden: info@kulturdesfriedens.de

Manifest des Friedens – Für eine Friedensoffensive!
Wir fordern statt 100 Milliarden für Aufrüstung und Krieg – 100 Milliarden für den Frieden ! Das wäre eine Zeitenwende vom Krieg zum Frieden. Wir fordern das Menschenrecht in Frieden zu leben! Umbau der Militärbasen zu Friedenszentren.
Keine Ausweitung des Krieges!
Der Ruf nach einer Flugverbotszone wird immer lauter und könnte zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und den NATO-Staaten führen, mit unabsehbaren Folgen eines Flächenbrandes. Einen atomaren Schlagabtausch gilt es von Anfang an zu verhindern. Die unter dem Krieg leidenden Menschen in der Ukraine würden noch mehr leiden und der Preis des Krieges würde immer höher getrieben. Der Atomwaffeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki sind eine Mahnung für die Menschheit.
Viele Freiwillige melden sich jetzt zum Kriegseinsatz in der Ukraine. Wann ziehen wir in den Frieden? Deeskalation und Vermittlung ist jetzt das Gebot der Stunde, weiteres Blutvergießen muss verhindert werden.
Wir fordern einen Waffenstillstand und Verhandlungen, die allen Menschen Sicherheit und Frieden in der Region bringen. „Stoppt den Krieg in der Ukraine – keine Ausweitung des Krieges“. Aufnahme aller Kriegsflüchtlinge.
Wir fordern das Menschenrecht auf Frieden, das in den Statuten der UN-Charta zu verankern ist. „Alle die Kriege propagieren, finanzieren, organisieren und durchführen – müssen zur Verantwortung gezogen werden“. Wir fordern den Umbau der Militärstützpunkte in Friedenszentren.
Die Ressourcen in das Leben der Menschen und das Zusammenleben der Völker zu investieren.
Wir brauchen eine Logik des Friedens.
Einen Gegenentwurf zu einer Welt des Krieges, der militärischen Aufrüstung, der Armut, Hunger, Krankheit Zerstörung der Natur und der menschlichen Persönlichkeit. Die Entwicklung einer Kultur des Friedens.

Rede Paul Schobel in Stuttgart und Tübingen

„STOPPT DEN KRIEG IN DER UKRAINE“
Wir seien heute früh, so tönte es am 24. Februar auf allen Kanälen, in einer „anderen Welt aufgewacht“. Ich rieb mir verwundert die Augen. Eine andere Welt?
Es war und ist die Welt, die ich kenne. Eine Welt voller Gewalt,
in der in Deutschland zum Beispiel an jedem dritten Tag eine Frau ermordet wird,
in der man Kinder schändet und missbraucht (auch in meinem Verein),
in der man tagtäglich Schüler mobbt und Arbeitende demütigt und drangsaliert,
in der die Netze überquellen von blindwütigem Hass, und man sich Tod und
Verderben wünscht.
Es war und ist die Welt, die ich kenne. Eine Welt, in der sich die Völker bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstehen, sich nun auch cybermäßig attackieren,
in der man immer noch wirtschaftet nach dem „Gesetz des Stärkeren“, „Fressen
oder Gefressen werden“, in einer Welt, in der Vermessenheit und maßlose Gier das Geschehen bestimmen.

Nichts ist am 24. Februar anders geworden. Außer, dass sich der Unfriede in der Welt in kranken Hirnen und verbrecherischen Köpfen zu einem so explosiven Gemisch verdichtet hat, dass es nun krachend detoniert.
Strahlend und gut gelaunt ist der Krieg nun auch aus der europäischen Rumpelkammer zurückgekehrt. Dort glaubten wir ihn schon auf Dauer museal entsorgt, aber er war nur zwischengeparkt und zeigt uns nun seine hässliche Fratze. Wie üblich auf Lügen aufgebaut, walzt er nun die Ukraine nieder und entfaltet ein Potential, das die ganze Menschheit auslöschen könnte.
Mein Abscheu, mein Zorn, meine Empörung gilt denen, die diese Todesmaschinerie in Gang gesetzt haben. Ebenso aber auch all denen, die jahrzehntelang hochgerüstet und Misstrauen gesät, statt Vertrauen geschaffen haben. Unser Protest richtet sich gegen alle Kriegstreiber in der Welt.
Ihr alle seid heute hier, da bin ich mir sicher, um den leidgeprüften Menschen in der
Ukraine zu versichern: Wir nehmen Anteil, wir weinen mit denen, die schon Angehörige verloren habe, auch mit den Müttern und Frauen russischer Soldaten. Sie alle starben einen sinnlosen Tod. Wir leiden mit Frauen und Kindern, die im kalten Winter fliehen müssen, mit den Alten und Kranken, deren Leben nun in Angst und Schrecken versinkt. Und wir tun, was nun an Hilfe geboten ist. Schön sind die Zeichen der Solidarität.

In uns alten Menschen steigen in diesen Tagen böse Erinnerungen wie Sumpfblasen nach oben. Das Heulen der Sirenen geht mir heute noch durch Mark und Bein, die Nächte im Luftschutzeller, die Wölkchen der Flak-Geschosse am blauen Himmel, der Absturz eines getroffenen US-Bombers auf unserer Gemarkung, der Pfarrer, der wie ein Todesengel durchs Dorf ging, um die Angehörigen der Gefallenen zu trösten.
Einfach unbegreiflich, dass 80 Jahre später – sterbliche Menschen, denen der Tod sicher ist, sich auch noch künstlich den Tod bereiten. Dabei lassen uns Klima-Wandel und Pandemien ohnehin kaum noch Zeit und Lebensqualität. Da fällt uns nichts Besseres ein, als auch noch Massenmord organisieren? Denn nichts anderes ist der Krieg, und so muss er benannt werden!
Stoppt den Krieg in der Ukraine, stoppt die Wahnsinnigen, die ihn verbrochen haben. Aber wie? Die Welt glaubt, Kanonen seien nur mit Kanonen zum Schweigen zu bringen, Gewalt nur mit Gegengewalt zu besiegen, der Teufel nur mit Beelzebub, dem Oberteufel, dem Höllen-CEO auszutreiben. Jesus warnt zu Recht: Die teuflischen Brüder werden sich verbünden, dann haben wir den totalen Krieg, die Hölle auf Erden.
Laufen wir nicht Gefahr, dass sich das Leiden in der Ukraine verlängert und der Tod sich vervielfacht, wenn wir Waffen liefern? Nun lassen wir uns auch noch von Putin das Gesetz des Handelns diktieren, lassen uns ein in die vernichtende Logik von Krieg und Gewalt.
Müssten wir nicht bedenken: Je stärker die Drohkulisse, desto wahrscheinlicher wird, dass einer der Wahnsinnigen durchknallt, Atomkraftwerke beschießt oder gleich den „Roten Knopf“ drückt und die Menschheit in seinen eigenen Tod mit hineinreißt. „Erweiterter Suizid“ sozusagen. Ich fürchte: Das Schicksal der Menschheit hängt gegenwärtig am sei denen Faden einer Befehlsverweigerung. Und ich bete zu Gott, dass im Ernstfall verantwortliche Militärs verhindern, was Idioten befehlen.
Entwaffnend ist nicht die Gegengewalt, sondern nur die Gewaltlosigkeit. Man mag uns Friedensbewegte als Naivlinge bezeichnen, aber ich frage mich: Hat je ein Krieg die Weltgeschichte zum Besseren gewendet? Naiv ist, wer immer noch glaubt, Kriege seien zu gewinnen – jeder Krieg ist schon mit dem ersten Schuss verloren. Abertausende bezahlen ihn völlig sinnlos mit ihrem Leben. Herzzerreißend das Weinen der Kinder in der Ukraine, die Klage und das Trauma der Überlebenden. Wie oft habe ich schon als junger Seelsorger an den Sterbebetten von Weltkriegs-Soldaten erleben müssen, wie eruptiv aus ihnen herausbrach, was sie jahrelang verschwiegen hatten. Dass sie im Tode noch los werden mussten, was sie auf den Schlachtfeldern angerichtet und was sie dort erlitten haben. „Wir sind zu Tieren geworden, zu Mördern, wir haben aufgehört, Menschen zu
sein“, schreibt der Rekrut Erich Maria Remarque über seine Erfahrungen an der Westfront des 1. Weltkriegs. Jeder Krieg ist ein Verrat an der Menschwerdung, ein Rückfall ins Un-Menschliche. Als Christ füge ich dem hinzu: Damit schlagen wir Gott ins Gesicht, der uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat.
Waffen bringen nur Tod und Verderben. Statt nun Milliarden in des Wortes wahrstem Sinn zu verpulvern und Rüstungshaushalte aufzublähen, hätte man in Friedensforschung und gewaltfreie Strategien investieren müssen. Aber die Friedensforscher wurden als Spinner abgetan und ihre Konzepte belächelt. Mahatma Ghandi – ein Fakir aus Indien, Jesus von Nazareth, ein frommer Folklorist, der die Friedensstifter selig preist, die braucht man doch nicht ernst zu nehmen! Nun fehlt es an wirksamen Methoden gewaltfreier Verteidigung, wie man Aggressoren und Besatzungsmächte narrt und gegen die Wand laufen lässt, wie man ihnen gewaltfrei widersteht, bis sie letztlich aufgeben und verhandeln müssen.
Verhandeln muss man bekanntlich auch nach jedem Krieg, aber dann über
Massengräbern und rauchenden Trümmern. Statt Militärblöcke aufzubauen, hätten wir mit einem Bruchteil der Kosten ganze Kontingente von FriedensarbeiterInnen ausbilden können, als „stehendes Heer“ sozusagen, unbewaffnete „Blauhelme“ der besonderen Art, die man unter dem Kommando der UN in die Kriegszonen entsenden könnte.
Nun können wir nur noch eines tun: Aufstehen gegen den Krieg. Aufstehen für den
Frieden, für das Leben. Ein weltweiter Aufstand für eine Welt ohne Krieg.
Ich schließe mit einer Ermutigung des ermordeten Pastors Martin Luther King: „Finsternis kann keine Finsternis vertreiben“, predigt er. „Das gelingt nur dem Licht. Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe. Hass vervielfältigt den Hass, Gewalt mehrt Gewalt, Härte vergrößert Härte in einer ständigen Spirale der Vernichtung. Die Kettenreaktion des Bösen muss unterbrochen werden. Sonst stürzen wir in den Abgrund der Vernichtung.“
Gerne würde ich morgen früh aufwachen in einer wirklich anderen Welt. In einer Welt, in der man Waffen verschrottet und sich die Hände reicht zum Frieden.
Paul Schobel, Böblingen